alexander
hardung
   
  worte

 

Er lacht über intellektuelle Akrobatik, mit der aus Kunst herausgeholt wird, was nie einer hereingelegt hat. Er mag keine großen Worte, denn sonst wäre er Schriftsteller und nicht bildender Künstler. Er verabscheut Lobhudeleien und Eitelkeiten.
Die Kunst ist seine Sprache, deshalb nennt er sie weder Kunst noch irgendwie. Und was wäre eine Sprache als Ausdrucksmittel wert, wenn sie erst einer Übersetzung bedürfte? Seine Sprache entspricht ihm und spricht für sich selbst – und für ihn.

Ich könnte schreiben, dass er das perfekte Auge hat. Oder ich könnte über sein außergewöhnlich sensibles ästhetisches Empfinden oder seine Kreativität schreiben, oder auch über die Vielseitigkeit seiner kunstsprachlichen Mittel, seinen Humor und seine Bescheidenheit bei alledem.
Man braucht ihm nur zu sagen: „Zeichne mir mal ein Krokodil oder einen Heizlüfter“ und gebe ihm Papier und Bleistift. Kurze Zeit später springt einem ein Krokodil entgegen, womöglich wird einem sogar warm.
Ich könnte auch erzählen, wie sehr er mich, mein Sein und insbesondere mein Sehen und meine Fähigkeiten als Designerin geprägt hat – aber möglicherweise würde der Text dann schwülstig. Und nichts stört meinen Vater mehr. Deshalb fange ich auch gar nicht erst an, von seinen menschlichen Qualitäten zu sprechen.

Man sagt, hinter jedem erfolgreichen Mann stünde eine Frau. Natürlich steht meine Mutter hinter ihm, nicht jedoch in seinem Schatten. Sie inspiriert ihn und erledigt stellvertretend für ihn, was er nicht kann:
Sie glaubt an ihn. So betrachtet trägt sie ein Gutteil der Verantwortung für sein Schaffen und kocht derweil kreative Marmeladen, auch wenn sie niemals – so Gott will, und der hat gefälligst zu wollen! – Oma wird.